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Toiletten im Womo

Der Klassiker in Reisemobilen sind in Europa Cassetten-WCs. Sie sind günstig, einfach in der Handhabung und flexibel im Einbau. Durch die tragbare Cassette kann auch dort entsorgt werden, wo man mit dem Fahrzeug nicht ohne weiteres hinkommt, wie z.B. der heimischen Toilette. Allerdings ist auch durch die Grösse der Cassette die Kapazität begrenzt. Man kann natürlich eine zweite Cassette mitnehmen, diese muss aber auch gefüllt einen akzeptablen Platz finden. Zusatz- und Ersatzteile bekommt man bei den verbreiteten Systemen problemlos, die Aussenentlüftung ist sehr zu empfehlen. Eine nette Neuerung am Markt sind Entsorgungsstationen, bei denen die Cassette nur noch eingeschoben wird, und die dann Entleerung, Reinigung und Neubefüllung mit Chemie automatisch vornehmen.

Mehr Platz ist in einem Festtank, wie er etwa in den USA sehr verbreitet ist. Dafür benötigt man aber auch die Infrastruktur, die man anfahren kann. Aufgrund der Platz- und Gewichtsverhältnisse findet man so etwas eher in grösseren Reisemobilen.

Nachteil aller Cassetten- und Tanksysteme sind die Gerüche. Diese entstehen durch sogenannten anaeroben Abbau, der immer dann entsteht, wenn keine Luft an gammeliges Material kommen kann - weil z.B. ein Mensch drumherum ist, oder Wasser. Vermindern kann man die Geruchsbildung mit den üblichen Chemikalien. Diese sind zumindest in Mitteleuropa leicht biologisch abbaubar und machen keine Probleme in der Kläranlage - wer sich in fernen Ländern eindeckt, sollte darauf achten, dass kein Formaldehyd enthalten ist. Wem die Chemie zuwider ist, kann Ammovit verwenden. Dies ist ein biologischer Kläranlagen-Zusatz auf Eisensulfatbasis, der die schlimmsten Gerüche durch Sulfidfällung eliminiert und keinen Eigengeruch hat. Unabhängig von der Behandlung gehört Schwarzwasser ordnungsgemäss entsorgt, da das Hauptproblem ein biologisches ist und kein chemisches.

Der Exot unter den Womo-Toiletten ist die Trenntoilette, die auch die umweltfreundlichste Option ist. Das Prinzip kommt aus Regionen mit fehlender Kanalisation: durch Trennen von flüssig und fest erhält man viel leicht entsorgbare Flüssigkeit und wenig gut kompostierbaren Feststoff. Die Luftzufuhr vermeidet die Faulprozesse, die in Flüssigtanks für schlechte Gerüche sorgen. Vorteile von Trenntoiletten sind die langen Entsorgungsintervalle, die problemlose Entsorgung, kein Verbrauch von Wasser und sehr günstige Betriebskosten ohne Chemie. Nachteile sind ggfs. höhere Anschaffungskosten aufgrund geringer Stückzahlen sowie eine etwas gewöhnungsbedürftige Handhabung. "Gespült" wird mit Feststoff, z.B. Sägespänen.

Alternativ zu kommerziellen Trenntoiletten gibt es auch die Möglichkeit, selbst eine zu bauen. Eberhard Baier hat eine sehr schöne Anleitung geschrieben, wie die gängige Cassettentoilette Thetford C200WS auf die Trenntoiletten-Technik umgebaut werden kann: Bauanleitung Trenntoilette (pdf).

Nur der Vollständigkeit halber will ich noch Verbrennungstoiletten erwähnen. Aufgrund der komplexen Technik, der Notwendigkeit spezieller Inlets und von hohem Strom- oder Gasverbrauch sind sie die teuerste Variante. Da sie auch nicht geruchsfrei arbeiten und das Fahrzeug während und nach der Benutzung nicht bewegt werden darf, ist der Marktanteil entsprechend klein.

Titelbild: Istrien