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Grossbritannien und Irland

Wer gerne auf die britischen Inseln oder nach Irland reist, kann das gut mit dem Womo machen. Da es einiges zu beachten gibt, hier die Top 10 der England-Tipps. Diese gelten natürlich genauso für den Rest des Vereinigten Königreichs, und mit zwei gekennzeichneten Ausnahmen auch für die Republik Irland.

1. Papiere

Ein gültiger Ausweis oder Reisepass ist Pflicht für alle Mitreisenden. Führerschein muss mit, gilt aber. Eine grüne Versicherungskarte ist eine gute Idee, und die Krankenversicherung sollte man abklären. Haustiere sind problematisch, da muss man sich im Einzelfall informieren. 

2. Hinkommen

Dazu ist man auf Fährverbindungen angewiesen. Einzige Ausnahme ist der Bahnverlad im Eurotunnel, der laut Navi aber auch eine Fährverbindung ist. Je nach Reiseplanung sind die kurzen Fährverbindungen über den Kanal meist am günstigsten, aber man kann auch z.B. von Hamburg nach Nordengland übersetzen und hat dann weniger Fahrstrecke. Unbedingt rechtzeitig vorbuchen, das ist deutlich günstiger und kann lange Wartezeiten ersparen.

3. Linksverkehr

Auf den Inseln fährt man links. Das ist erst mal nicht weiter schlimm, weil das alle so machen. Wenn man mit dem eigenen Womo kommt, ist ausserdem das Lenkrad auf der falschen Seite. Das ist ein bisschen unpraktisch beim Rechtsabbiegen und in Linkskurven, man darf aber vor allem das Linksfahren nicht vergessen. Etwas fies ist das in Irland, wo man den Euro wieder hat und die Stundenkilometer, aber trotzdem noch links fährt. Wer öfter dort ist, gewöhnt sich ans Umgewöhnen, ansonsten gibt es Erinnerungshilfen. Nützlich finde ich durchsichtige Aufkleber, die einen Kreisverkehr zeigen und die man in der jeweiligen Orientierung für Links- oder Rechtsverkehr an die Windschutzscheibe haften kann. Gibt's auf den Fähren. Dort gibt es auch Abklebesets für die Scheinwerfer, die für Rechtsverkehr ausgelegt sind und sonst blenden. Im Sommer ist es allerdings lange hell, da ist gut möglich, dass man die Scheinwerfer im Urlaub gar nicht braucht.

4. Das Imperium (UK only)

Hier kann man den Zoll hinter sich lassen und wird ihn doch nicht los: etwa zweieinhalb Zentimeter sind das. Vier Zoll sind eine Hand, drei Hände ein Fuss und drei Füsse ein Yard. Die Hände braucht man aber nur für die Schulterhöhe von Pferden. 1760 Yards sind eine Meile, die wiederum in acht Furlongs unterteilt ist, was man auch gleich wieder vergessen kann (richtig: Pferde). Um die eigenwillige Logik kommt man aber nicht herum, weil die Geschwindigkeit in UK in Meilen pro Stunde angegeben wird. Immerhin, ganz normale Stunden. Wer nicht Weltmeister im Kopfrechnen oder einfach faul ist, stellt sein Navi oder OHD (wenn vorhanden) auf Meilen um und fährt nach dieser Geschwindigkeit. Fast fertig: die Dimensionen des Mobils, vor allem die Höhe, sollte man auch kennen oder sichtbar aufgeschrieben haben. In Fuss und Zoll bitte.

5. ENG-land

Der Name ist Programm. Die Strassen sind schmal, die Hecken hoch, die Häuser immobil. Die Spiegel müssen bisweilen angeklappt werden und erfüllen öfter die Funktion, die bei der Katze die Schnurrhaare haben. Blinker im Aussenspiegel sind doof, wenn man Hecken, Mauern und den Gegenverkehr abtastet. Ich habe keine, und wie ich gesehen habe, löst sich das Problem bisweilen von selbst. Eine Rückfahrkamera ist eine gute Idee, nicht nur zum Zurücksetzen. Wenn man sieht, dass man am Hindernis vorbei ist, kann man einlenken, ohne mit dem ausschwenkenden Heck hängenzubleiben. Die Briten fahren aber sehr rücksichtsvoll, und ich habe noch nie von jemand gehört, der wirklich auf Dauer steckengeblieben wäre. Daher gilt immer: nur die Ruhe. Wenn man sich wegen irgendeiner Hektik die Seitenwand aufreisst, wo bleibt denn da der Spass?

6. Camping

England ist eigentlich eine Campingnation, aber nur unter Campern. Es gibt eigene Clubs wie den CCC, der im Land verstreut schöne, aber minimalistisch ausgestattete Plätze besitzt. Die Übernachtung ist günstig, aber nur für Mitglieder. Wer das nutzen möchte, kann sich vorher um eine Mitgliedschaft kümmern, und wenn man das vergessen hat, klappt es manchmal auch mit einer höflichen Anfrage und einem ausländischen Kennzeichen. Ausserdem gibt es viele klassische Campingplätze, häufig gut ausgestattet und schön gelegen. Diese sind dann aber, wie in anderen Ländern auch, häufig teuer und mitunter ausgebucht. Dazwischen gibt es noch Farmcamping, meistens eine grosse Wiese mit viel Abstand.

7. Freistehen

Schwierig. Zum Freistehen muss man legal irgendwo parken können. Als Faustregel gilt, dass man das in Küstennähe vergessen kann, es aber im Landesinneren durchaus geht. Das Problem dabei ist, dass die Inseln so furchtbar viel Küstennähe haben, dass kaum Landesinneres übrigbleibt. Ein Trick ist eine Mitgliedschaft beim National Trust, die zum kostenlosen Parken auf allen NT-Parkplätzen berechtigt. Ein anderer ist BritStops, das englische Analogon zu Landvergnuegen bzw. France Passion - aufgrund der lückenhaften Abdeckung aber weniger lohnend als diese. Weil hier das Verhalten der Bewohner mindestens so wichtig ist wie die Regeln, kann ich nur dazu raten, den Mund aufzumachen: wer abends in einem ländlichen Pub einkehrt und vorher fragt, ob er mit dem Womo dort bis morgens stehen kann - Bierkonsum und so - der wird meistens Erfolg haben. 

8. Versorgung

Trotz des schlechten Rufs der Gastronomie kann man in England gut essen gehen, vor allem in Pubs. Das Bier ist prima. Der Weinbau ist nicht so berühmt, aber das nötige gibt es überall zu kaufen. Ein Problem sind Gasflaschen vom Festland, weil es zum Füllen und zum Tausch andere Systeme gibt. Da sollte der Vorrat stimmen. 

9. Bussgelder

Sollte man vermeiden, kosten nämlich unnötig Geld. Aufpassen muss man beim Parken - kostenlose Parkplätze sind selten, und Parkverbot an der Strasse wird durch gelbe Linien markiert. Ausserdem gibt es eine Mautpflicht für die Londoner Innenstadt und ein paar Brücken und Autobahnabschnitte, die man über das Internet bezahlt. Die Schilder einfach zu ignorieren ist keine gute Idee.

10. Brexit (UK only)

Hat sich ja wohl inzwischen rumgesprochen, dass das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil der EU ist, mit allen rechtlichen Konsequenzen. Es gibt anderes Geld mit dem Nachteil, dass gerne neue Scheine und Münzen herauskommen und die alten ungültig werden. Ausserdem muss man dem Betrug am Geldautomaten ausweichen - immer in lokaler Währung belasten lassen, nie in der Heimatwährung - das kommt sonst 5-10% teurer, also das linke, schlechter erreichbare Feld drücken. Das war aber schon immer so und hat mit dem Brexit nichts zu tun, wird sich aber wohl jetzt auch niemals ändern. Neu ist, dass zumindest formal ein hässliches, ovales D-Schild (oder CH, oder A) am Heck pappen muss, weil das Euro-Kennzeichen allein nicht zählt. Das ist unbeliebt, denn das trendige Design stammt aus dem Jahr 1968 und sieht auch so aus. Aufpassen muss man weiterhin mit dem Mobiltelefon, vor allem bei der Datennutzung. Details hängen vom Vertrag ab. Wem das alles zuviel ist, der kann noch nach Irland fahren, ist halt etwas weiter.

Titelbild: Lake District