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Gasversorgung

Übliche Wohnmobile haben Platz für ein oder zwei Gasflaschen. Diese enthalten Propan und andere Alkane, also ein unter Druck verflüssigtes Gas mit gutem Heizwert. Im Prinzip wie Benzin, nur siedet es bereits unter dem Gefrierpunkt. Die Flaschen müssen immer aufrecht stehend betrieben werden, damit Gas entweicht und keine Flüssigkeit. Weil zum Verdampfen Energie benötigt wird, kühlen Gasflaschen beim Gebrauch deutlich ab.

Die Flaschen stehen unter recht hohem Druck (ca. 8-15 bar, je nach Temperatur). Dieser wird von einem Druckminderer auf die heutzutage üblichen 30 mbar heruntergeregelt. Für den Betrieb während der Fahrt ist noch ein Crashsensor und eine Schlauchbruchsicherung vorgeschrieben. Wenn man zwei Flaschen verwendet, gibt es auch automatische Umschalteinrichtungen, sobald eine Flasche leer ist. Häufig sind Crashsensor, Druckminderer und ggfs. Umschaltvorrichtung in einem Gerät vereint.

Leider muss die Gasanlage nicht nur alle zwei Jahre zur Gasprüfung, die obengenannten Einrichtungen dürfen auch nur zehn Jahre alt werden. Dann muss alles neu. Ein guter Zeitpunkt, sich über die Einrichtung Gedanken zu machen: wer zwei Flaschen hat, verfügt über reichlich Vorrat und kann die Flaschen leicht tauschen. Die Flaschen sind aus Stahl oder Alu, wobei die Alu-Version erheblich Gewicht beim Fahren und Schleppen spart, aber nicht überall getauscht werden kann. Die Anschlüsse sind länderspezifisch, sodass ein Tausch im Ausland schwierig sein kann. Die Alternative ist eine Tankflasche, die eine Füllmengenbegrenzung hat und die man selber an allen Tankstellen auftanken kann, die LPG führen. Vorteile: man braucht nur eine Flasche, kann diese billiger und auch teilweise auffüllen, und mit einem übersichtlichen Adapterset auch Europaweit. Nachteile: LPG enthält neben Propan auch Butan, welches um den Gefrierpunkt siedet und daher im Winter evtl. nicht mehr aus der Flasche mag. Ausserdem muss man nach zehn Jahren auch die Tankflasche tauschen, während man bei Tauschflaschen das Datum immer mittauscht. Als Material gibt es auch Alu oder Stahl. Beide Flaschensorten gibt es auch aus Kunststoff, beispielsweise in Frankreich. Gewichtsmässig liegen die zwischen Alu und Stahl, sind aber durchscheinend, sodass man den Füllstand sieht. Rund um den Gaskasten gibt es sonst noch diverses Zubehör:

Zur Befestigung der Gasflaschen habe ich die originalen Schnürsenkel durch ordentliche Gurte mit Metallschloss ersetzt. Diese sind eigentlich Gürtel aus dem Militärbereich, und unter dem Stichwort "tactical belt" bei den einschlägigen Online-Händlern zu finden.

Eine Federwaage ist leicht und billig. Weil das Tara-Gewicht der leeren Flasche jeweils eingeprägt ist, kann man so sehr genau den Füllstand prüfen - muss die Flasche dazu allerdings herausnehmen.

Füllstandsanzeigen gibt es in verschiedenen Preisklassen und Genauigkeiten. Macht eher bei einer Tankflasche Sinn, kann man aber auch über das Gewicht lösen.

Gasfilter sitzen zwischen Flasche und Druckregler. Sie sollen die Anlage vor Verölung schützen. Wenn das Gas verunreinigt ist, was z.B. durch Kompressoröl oder Polymerisation der Olefine passieren kann, sammeln sich diese Rückstände in der Flasche an, weil Flüssigkeit gefüllt, aber immer nur Gas entnommen wird. Wird bei wenig Füllstand viel Gas entnommen, können die Rückstände als Aerosol mitgerissen werden und den Druckregler oder Crashsensor schädigen. Für Tankflaschen gibt es auch Filter, die man beim Betanken dazwischensetzt. Die sind aber wenig sinnvoll - getankt wird ja Flüssigkeit, und da sind die Rückstände gelöst.

Lecksuchspray ist eine komfortable Form von Seifenwasser. Wenn es nach Aufsprühen auf Verbindungen schäumt, sollte man das nicht so lassen.

Manometer an Gasreglern sind reine Show. Der Druck bleibt recht konstant, solange noch flüssiges Gas in der Flasche ist, und fällt dann rapide ab. Zum Prüfen der Restmenge sind nur Gewicht oder Füllstand relevant.

Ein Schlüssel zum Lösen zu fester Verbindungen an der Flasche sollte greifbar sein. Vorsicht: Linksgewinde direkt an der Propanflasche!

Genug der Theorie: hier ein Blick in die Praxis. Unser Womo fährt zwei Alugas-Tauschflaschen spazieren, die an einer Truma Duocontrol mit Secumotion-Crashsensor hingen. Bis 2019 war ich mit der Anlage sehr zufrieden, bis im Sommer kein Gas mehr kam. Das kommt öfters vor, man muss dann die Knöpfe an Crashsensor und Schlauchbruchsicherung ein paar Sekunden gedrückt halten. Diesmal kam zwar Gas, aber nur ganz kurz. Das liess sich beliebig wiederholen. Eine kurze Suche im Weltgedächtnis ergab einen interessanten Forenbeitrag von nusso: "Wenn Du jemand am Stell- oder Campingplatz innerhalb von 5 Minuten 3 Mal am Gaskasten fummeln siehst, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine "Secumotionopfer" bei ca. 75%." Die Secumotion ist mein Crashsensor, die Produktion wurde schon 2012 eingestellt, weil selbst Truma den wohl mindergut fand. Also bin ich jetzt auch eins der Opfer und krieg nicht mal einen Pin dafür.

Der Pfusch

Gas floss schon, solange jemand den Knopf drückte. Die im Gaskasten herumlungernden Rotkäppchen erklärten sich netterweise dazu bereit. Allerdings floss nicht viel Gas, für den Kühlschrank ok, für die Truma-Heizung nicht. So blieb die Dusche kalt, das Bier aber auch.

Das Provisorium

Ein billiger Gasregler schafft erst mal Abhilfe. Eigentlich gibt es die an jeder Ecke, aber man benötigt den passenden Flaschenanschluss, den richtigen Druck und den korrekten Schlauch. Der Flaschenanschluss ist einfach, wenn man zuhause ist, und nahezu unmöglich im Ausland. Die gängigsten Druckregler haben 50 mbar, aber im Womo sind meist 30 mbar üblich - auf dem vorhandenen Druckregler steht's. Womo-seitig ist normal eine Schneidringverbindung vorhanden - dort sind 8 mm gängig, bei Womos aber häufig 10 mm. Wenn ein 19er Maulschlüssel auf den Anschluss passt, ist es wohl so. Folglich benötigt man einen 30 mbar-Druckregler für deutsche Flaschen, und einen passenden Niederdruckschlauch vom Druckregler (normalerweise 1/4" links) zur 10 mm-Klemmverbindung (RVS 10). Das Ergebnis ist weniger illegal, als es aussieht - zur Fahrt muss halt  die Gasflasche abgedreht werden. Da das Teil billig, leicht und sehr speziell ist, wird es auch in Zukunft immer als Ersatzteil mit herumgefahren. Hätte man sich eigentlich im Vorfeld schon mal besorgen können.

Die Lösung

Weil es gerade eine hübsche neue Generation von Truma-Druckminderern gibt und ich die Duomatic zu schätzen gelernt habe, gab es das neueste Modell. Allerdings sind die neuen Crashsensoren lageabhängig - er muss vertikal montiert werden, was in meinem Falle eine Änderung des Anschlusses mit sich bringt. Und überhaupt, die Anschlüsse: natürlich ist alles genormt. So haben in Deutschland alle Gasflaschen einen einheitlichen Anschluss, aber schon in der Schweiz ist er anders. Und in Frankreich wieder anders. Druckminderer (die billigen) haben als Ausgang ein Viertelzoll-Linksgewinde, die Truma's als Eingang ein 20 mm Normalgewinde, am Ausgang besagte Scheidringverschraubung. Da es Schläuche noch in verschiedenen Längen, für unterschiedliche Drücke und mit/ohne Schlauchbruchsicherung gibt, kann ich nur davon abraten, irgend etwas auf gut Glück zu kaufen. Soviel Glück hat keiner.

Ich habe mir diesmal auch Gasfilter gegönnt. Die neue Generation ist schön kompakt und sieht zwar nach billigem Kunststoff aus, ist aber aus Alu. Sie hat einen Dauerfilter aus Kunststoff und günstige Pads, die Rückstände absorbieren. Diese soll man bei jedem Flaschentausch auswechseln; in den meisten Fällen sollte aber eine Kontrolle reichen. Beim Abschrauben der alten Secumotion fand sich jede Menge öliger Rückstand darinnen. Entweder habe ich mal eine schmutzige Flasche erwischt, oder das Zeug sammelt sich einfach mit der Zeit. Verwendet wurden ausschliesslich Alugas-Tauschflaschen. Die Funktion der Filter ist also nicht nur theoretischer Natur, und auch nicht nur bei Tankflaschen sinnvoll.

Titelbild: Büchenberg, Harz